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03.04.2024

Mehr Agentur verstehen #50

So kann die Nachfolge gelingen!

VON KLAUS SCHARDT | 03.04.2024

In den nächsten Jahren, bis 2026, suchen nach den statista-Zahlen 190.000 Familienunternehmen in Deutschland neue Macher*innen. Das heißt, sie stehen vor der Frage, ob es weitergeht, wenn ja, wie und vor allem auch mit wem. Eines dieser Unternehmen ist KONTEXT. Vor über 30 Jahren wurde das „Kind“ geboren, mit viel Liebe und Herzblut großgezogen und zum Laufen gebracht. Die drei Jahrzehnte waren anstrengend und entbehrungsreich, spannend und schön, manchmal auch bitter und frustrierend – in Summe aber sehr erfolgreich. Aus nicht ganz freiwilligen Freelancer-Anfängen ist eine etablierte Kommunikationsagentur erwachsen, die mit tollen Kund*innen und Mitarbeiter*innen schöne, herausfordernde und extrem vielfältige Projekte umsetzt. Das Kind ist also längst groß und die „Eltern“ sind deutlich älter geworden. Es ist Zeit, die junge Generation in den „Driver Seat“ zu lassen – wenn die glückliche Situation gegeben ist, dass da jemand ist, der es auch will und kann. Bei uns war – oder besser – ist es so. Unser Sohn Jan hat sich nach Jahren, in denen er seine Erfahrungen in der Welt gesammelt hatte, für uns nicht ganz erwartbar, entschieden, in die Agentur einzusteigen. Das war der Beginn eines Prozesses, der seit etwas mehr als fünf Jahren läuft und sich jetzt so langsam dem Abschluss nähert.

 

Wenn es Euch interessiert, erzähle ich Euch ein wenig über die wichtigsten Erkenntnisse, die dieser Prozess mit sich bringt. Vielleicht hilft es Euch ja, wenn Ihr auch mal in die Situation kommt, Euer „Lebenswerk“ in die Hände der nächsten Generation zu geben, sozusagen, Euer „Kind“ zur Adoption freizugeben. Auf was kommt es an, damit es gelingt? Was macht das alles mit einem? Was sollte man tunlichst nicht tun? Ganz gleich wie gut oder wie schlecht die Vorbereitung auf diesen Schritt war oder ist, es kommt mit Sicherheit anders. Das ist schon mal ganz am Anfang eine zentrale Erkenntnis.

Du musst es wirklich wollen!

Mit die wichtigste Voraussetzung ist es, dass Du es auch wirklich willst. Die bloße Einsicht in die Notwendigkeit einer Nachfolgeregelung innerhalb der Familie ist zu wenig. Nur weil Du älter wirst oder Dich Deine Motivation nach und nach verlässt, und Du quasi notgedrungen an eine Übergabe denkst, reicht nicht aus, um einen erfolgreichen Übergang zu gestalten. Erst wenn Du in der „Adoption“ Deines „Kindes“ das eigentliche Ziel Deiner Arbeit der letzten 30 Jahren siehst und diesen Meilenstein meistern willst, lohnt es sich, darüber überhaupt ernsthaft nachzudenken.

Du musst alles gut vorbereiten – auch Dich!

Überfordere niemanden! Lass‘ dem/der Nachfolger*in, Deinen Mitarbeiter*innen und auch Dir Zeit. Bei uns hat es sich als sehr hilfreich erwiesen, dass Jan zunächst einmal zwei Jahre als „ganz normales“ Teammitglied mitgearbeitet hat. So hatten alle Gelegenheit, sich kennenzulernen, die Macken zu studieren, Akzeptanz zu schaffen und füreinander ein Gefühl zu entwickeln. Das gelingt nur in der gelebten Praxis. Sei aber transparent und kommuniziere klar, dass diese Phase Teil eines Planes ist, an dessen Ende die Übergabe steht.

Du musst ehrlich überzeugen!

Ehrlichkeit ist unverzichtbar. Du darfst zu keiner Zeit den blauen Himmel versprechen. Wenn Du Deine/n Nachfolger*in ins Boot holen willst, sage, was Sache ist. Locke nicht mit attraktiven Verdienstmöglichkeiten oder leeren Versprechungen. Sag‘, wie es wirklich ist, untermaure dies mit Fakten. Zeige die wirtschaftliche Situation auf, bespreche die Zahlen, interpretiere sie ehrlich, weise auf Risiken hin – beschreibe aber auch die Chancen. Entwickle im gemeinsamen Diskurs Visionen und kläre die gegenseitigen Erwartungshaltungen.

Du musst offen und tolerant sein!

Stell‘ Dein Ego in den Schrank, sei offen und tolerant. Du wirst mit vielen neuen Dingen konfrontiert. Mit anderen Ansichten über Führung und Strategie, mit neuen Impulsen in der operativen Arbeit. Das Gefüge im Unternehmen wird sich ziemlich wahrscheinlich verändern. Einige Mitarbeiter*innen fühlen sich mehr dem „Jungen“ hingezogen, andere werden eher verhalten auf den „Neuen“ reagieren. Wichtig ist, dass Du mit Deiner Erfahrung die Balance im Auge behältst. Manchmal ist Gas geben angesagt, manchmal eher ein vorsichtiger Tritt auf die Bremse. Grundsätzlich solltest Du die Veränderung positiv begleiten. Denk‘ daran, dass das ja das Ziel ist. Und lass‘ Fehler zu, begreife das „Neue“ als Bereicherung und das „Alte“ als Zukunftsbasis.

Du musst loslassen!

Klammere Dich nicht an Deine Position der vergangenen Jahr(zehnte). Lass‘ los und gib‘ den Nachfolgenden die nötigen freien Räume, sich zu entwickeln. Dabei hilft es sehr, sich auch rarer zu machen. Sei nach und nach weniger im Office. Du wirst sehen, dass das nicht nur Dir, sondern auch allen anderen hilft, die Veränderung positiv anzunehmen. Aber Vorsicht: Das bedeutet auch, dass Du mit der Zeit auch nicht mehr „so wichtig“ bist. Darauf solltest Du Dich zumindest gedanklich vorbereiten. Sehe es als erfolgreichen Teil des gewollten Prozesses, denn so ist es ja auch.

Du musst Dir andere Aufgaben suchen!

Mit der Zeit wirst Du auch weniger zu tun haben. Du bist nicht mehr der Notnagel, wenn ein Projekt aus dem Ruder läuft, oder der Akquisiteur, Motivator, Projektmanager oder was auch immer. Du bist jetzt der, der langsam, aber sicher „ausschleicht“. Die Arbeitsstunden reduzieren und entzerren sich, die „freie“ Zeit wird mehr. Wie aber diese neue Freiheit sinnvoll gestalten? Such‘ Dir schon frühzeitig andere Aufgaben. Dinge, die Dir Spaß machen, die Dich aber auch fordern. Das Chillen alleine wird schnell langweilig, wahrscheinlich auch das Nur-Golfspielen, das Nur-Motorradfahren oder was Du auch immer als Hobby hast. Neben den genannten Dingen habe ich mir schon vor einiger Zeit durch die Gründung eines sozialen Vereins und die Vorbereitungen für das Verfassen von dem einen oder anderen Buch ein paar Aufgaben gegeben.

Du musst zufrieden sein!

Ganz sicher läuft während des Prozesses nicht immer alles rund. Es wird Ups and Downs geben – wirtschaftliche, aber auch mentale. Vielleicht gibt es auch mal Stress und Streitigkeiten. Aber es wird auch Erfolge geben. Wichtig ist, dass Du zufrieden bist! Es ist Dein Weg, Du willst und musst ihn gehen. Gib‘ dem Weg und allen, die ihn mit Dir beschreiten wollen, immer genügend Zuversicht.

ganzkörperbild von klaus schardt

Über den Autor:

Klaus Schardt
0911 9747820
klaus.schardt@kontext.com

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02.04.2024, 13:18

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