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luftaufnahme solarberg in fürth
20.12.2021

Mehr Agentur verstehen #23

Die PR-Highlights 2021

VON MARKUS EIGLER | 20.12.2021

Top oder Flop?

Corona, Bundestagswahl, Europameisterschaft und Flüge ins All – 2021 war an Nachrichten nun wirklich nicht arm. Glanz- und Fehlleistungen in der Kommunikation inklusive. Wir stellen ein paar Fälle vor, die uns ganz besonders in Erinnerung geblieben sind – in guter und schlechter Manier.

Top #1: Einigkeit und Recht und Selfie

Beginnen wir mit etwas Positivem: Vier Leute lächeln bei einem Selfie in die Kamera. Eigentlich ganz profan, doch was Annalena Baerbock, Robert Habeck, Christian Lindner und Volker Wissing hier nur zwei Tage nach der Bundestagswahl kreiert haben, war schlicht clevere PR. Parteichefs und künftige Verhandlungsführer von Grünen und FDP zeigten: Seht her, liebe Volksparteien, ohne uns geht nichts! Die beiden Parteien, die wahrlich nicht immer auf der gleichen Wellenlänge surften, zeigten Einigkeit und damit Stärke. Noch vor Sondierungsgesprächen mit SPD oder Union hatten zunächst die „Kleinen“ sich ausgetauscht, eine gemeinsame Linie gefunden und sich als Einheit unverzichtbar gemacht. Auch durch diese Stärke erreichten beide Parteien deutliche Zugeständnisse im Koalitionsvertrag. Nicht nur durch ein Selfie – aber doch auch ein bisschen deswegen.

Flop #1: Wenn ein Lachen zur Blamage wird

Ganz anders präsentierte sich Armin Laschet. Der ganze Wahlkampf von CDU/CSU war, nun ja, suboptimal. Angefangen bei den Grabenkämpfen zwischen Laschet und Markus Söder, wer es denn nun werden sollte, bis hin zur peinvollen Frage am Wahltag selbst, ob Laschets Zettel denn aufgrund falscher Faltung überhaupt gültig sei. Den Vogel abgeschossen hat Laschet aber im Juli im Flutkatastrophengebiet mit einem Lachen. Ja, es war nur kurzer, unachtsamer Moment, doch auch ein solcher kann selbst eine erfolgreich laufende Kampagne in den Ruin reißen. Die Symbolik, die die Bilder verbreiteten, zeugten von wenig Sensibilität. Das muss noch nicht mal stimmen, doch wenn ein solches Bild einmal online (und viral) geht, helfen oft auch die Taten vor und nach dem Lacher wenig, der Ruf ist dahin. Nun lässt sich dieser Moment aus journalistischer Sicht herrlich analysieren, aus PR-Sicht stellt sich die Frage: Hat Armin Laschet niemand gewarnt, an einem solchen Tag besondere Sensibilität und Achtsamkeit bei Gestik und Mimik zu zeigen? Am Ende stand ein PR-Fail.

Top #2 Coole Typen, völlig schwerelos

Weg von der Politik, ab zu den Sternen und Visionären mit Sonnenbrillen. Vielleicht haben Sie auch noch die Bilder von Sir Richard Branson oder Jeff Bezos in cooler Kluft vor Augen. Die beiden Milliardäre lieferten sich im Sommer einen heißen Wettkampf: Wer schafft es zuerst ins All, wer erfüllt sich zuerst den Kindheitstraum? Mit Virgin Galactic und Blue Origin haben beide milliardenschwere Raumfahrtprogramme aufgesetzt, die Touristenflüge in den Erdorbit ermöglichen. Wo so viel Geld unterwegs ist, darf die PR nicht hinterherhinken. Und so schafften es die beiden Milliardäre in den Fokus, obwohl man doch vielleicht eher über die Technik oder die Möglichkeiten der Programme sprechen sollte. Geschadet hat´s nicht. Die Berichterstattung baute sich über Wochen auf, neben coolen Bildern standen Branson und Bezos als Visionäre da. Am Ende schaffte es der Engländer Branson als Erster in die Schwerelosigkeit.

Flop #2 Kein Licht am Ende des Regenbogens

Wenig visionär zeigte sich die UEFA – mal wieder. Als sich im Sommer die Diskussionen um Menschenrechte und die Rechte der LGBTQ-Community hochschaukelten (im Juni ist übrigens Pride-Monat), fiel ihr allen Ernstes ein, gegen Deutschlands Kapitän Manuel Neuer zu ermitteln, weil der eine Binde in Regenbogenfarben trug. Politische Zeichen stehen in den Statuten der UEFA jedoch auf der ganz roten Liste. Dass es sich hierbei um ein Statement gegen Homophobie und für Menschenrechte handelte, machte für den Verband offenbar keinen Unterschied, er nahm Ermittlungen gegen Neuer auf. Nach einem Aufschrei verliefen die zwar im Sande, doch der Schaden war bereits angerichtet. Gleiches Problem nur wenige Tage später in München. In Ungarn hatte Ministerpräsident Viktor Orban ein Gesetz zur Beschränkung der Information über Homo- und Transsexualität auf den Weg gebracht, deshalb sollte zum Spiel der deutschen Mannschaft gegen Ungarn die Allianz Arena in den Regenbogenfarben erstrahlen. Die UEFA untersagte das mit besagtem Passus der politischen Botschaft. Dass der Bezug zu Ungarn ein klares Signal gegen einen bestimmten Teilnehmer gewesen wäre, hätte ein Verbot mit viel gutem Willen vielleicht noch etwas erklärbar gemacht – vor dem Hintergrund, dass die UEFA an einem anderen Tag die Arena beleuchten wollte. Doch dabei gab die UEFA eine derart unglückliche Figur ab, dass sie ihre Kampagnen gegen Diskriminierung ad absurdum führte. Der Shitstorm war perfekt – nicht nur in Deutschland. Die Arena leuchtete dann am 10. Juli zum Christopher-Street-Day.

Daumen hoch für Engagement 

Noch etwas Erfreuliches aus Fürth zum Schluss. Dort sollte die Kofferfabrik, eine Institution der Subkultur und beliebtes Veranstaltungszentrum, schließen, weil der Mietvertrag auslief. Ein Aufschrei ging durch die Fürther Bevölkerung – die auch im Rathaus sitzt. Die „Koffer“ durfte nicht sterben. Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung samt Kulturreferat setzten sich persönlich für die Kofferfabrik ein, die Stadt nahm Gespräche mit dem Vermieter, einer Immobilienfirma, auf. Und siehe da: alles nur ein Missverständnis. Ein katastrophaler Kommunikationsfehler sei das gewesen, räumte die Immobilienfirma ein. Was als Niederlage für alle Beteiligten hätte enden können, wurde dank rascher Entscheidung (und Entschuldigung!) doch noch zu einem Erfolg. Am Ende durften Koffer-Chef Udo Martin und OB Jung bei Unterzeichnung des neuen Vertrags bis 2025 beide freudig den Daumen heben. Das Bild verdeutlichte ein schönes Beispiel, wie man mit gemeinsamem Konsens und guten Gesprächen aus einer vertrackten Situation das Beste rausholen kann. Ein starkes Zeichen vonseiten der Kulturszene und der Stadtspitze in Fürth.

Über den Autor:

Markus Eigler
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markus.eigler@kontext.com

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15.12.2021, 12:21

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