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19.01.2026

Mensch und KI auf einer Wellenlänge

19.01.2026

Die meisten von uns nutzen ChatGPT, Gemini, Perplexity & Co. jeden Tag, um beispielsweise das Internet nach neuen Rezepten und Reisetipps zu durchsuchen, E-Mails schreiben oder Texte auf Rechtschreibung checken zu lassen – oft ist das Ergebnis überraschend gut. Manchmal aber auch totaler Stuss.

Der ausschlaggebende Punkt: Vielen ist gar nicht bewusst, dass sich die Qualität der Ergebnisse gezielt verbessern lässt – nicht etwa durch Programmierung, sondern durch ganz normale Sprache. Genau hier kommt Prompting ins Spiel.

Was ist Prompting?

Der Begriff „Prompting“ stammt ursprünglich aus der Verhaltenspsychologie. Ein*e Patient*in wird dabei durch gezielte Anstöße zu einem gewünschten Handeln geführt, um neue Fähigkeiten zu entwickeln und zu genesen. Ein „Prompt“ bedeutet also so viel wie Aufforderung oder Eingabe.

Im Kontext von KI funktioniert es ähnlich: Ein Prompt ist der Text, der in das Eingabefeld eines KI-Tools geschrieben wird. Meist kommen Prompts bei Large Language Models (LLM) wie ChatGPT zum Einsatz. Die Kunst besteht darin, diese Eingabe so klar und präzise zu formulieren, dass die KI möglichst genau das liefert, was gebraucht wird. Dafür muss die KI selbst nicht verändert oder neu programmiert werden. Allein die Sprache lenkt die KI in die gewünschte Richtung, zum Beispiel durch konkrete Vorgaben zur Rolle, zum Kontext, zum Ziel oder zum gewünschten Format.

Warum ist Prompting so wichtig?

Ohne eine klare Aufforderung kann die KI kein klares Ergebnis liefern. Sie ist vollständig darauf angewiesen, dass Menschen ihre Fragen und Aufgaben strukturiert und eindeutig formulieren. Der Output ist damit immer auch ein Spiegel der Qualität des Inputs. Ganz ähnlich verhält es sich übrigens im Gespräch mit einem anderen Menschen.

Zum Beispiel:

Ein Kollege aus einer anderen Abteilung kommt ins Büro der Kommunikationsexpertin und sagt: „Erklär mir mal Marketing.“ Die Expertin weiß gar nicht, wo sie beginnen soll: Basiswissen? Fortgeschritten? Praxisbeispiele? Online? Offline?

Mit der KI ist es genauso. Wenn Sie schreiben „Erklär mir Marketing“, kommt zwar eine Antwort – aber selten genau das, was Sie wirklich brauchen. Mit gutem Prompting wird aus einer generischen Antwort eine maßgeschneiderte.

Wie „denkt“ ein KI-Modell?

Ein LLM wie ChatGPT wurde mit Unmengen von Textdokumenten trainiert, von Büchern über Artikel bis hin zu kompletten Websites. Dabei hat es Muster gelernt: Wie ist Sprache aufgebaut, welche Wörter treten oft gemeinsam auf, wie sind Argumente strukturiert etc. Wenn ein Prompt geschrieben wird, versucht das Modell, wahrscheinliche Fortsetzungen auf das Geschriebene zu erzeugen. Wichtig: Die KI „weiß“ nichts im menschlichen Sinne, sondern simuliert Wissen und Kompetenz auf Basis von ihren Trainingsdaten. Prompting ist deshalb so wichtig, weil es der KI Orientierung gibt, wie sie diese nutzen soll.

Die vier Bausteine eines guten Prompts

Die besten Ergebnisse entstehen, wenn Sie mit der KI ein echtes Gespräch führen – ähnlich wie mit einem Menschen. Ein guter Prompt ist wie ein kleiner Auftrag, der aus vier Teilen besteht:

1. Rolle zuweisen

Nicht: „Erklär mir SEO.“

Besser: „Du bist ein*e erfahrene*r SEO-Berater*in. Erklär mir SEO so, als wäre ich Einsteiger*in ohne Vorkenntnisse.“

Dadurch weiß die KI, welche Brille sie aufsetzen soll (Berater*in, Lehrkraft, Programmierer*in, Trainer*in, …) und auf welchem Niveau sie sprechen soll.

2. Kontext geben

Nicht: „Schreib einen LinkedIn-Post über Prompting.“

Besser: „Schreib einen LinkedIn-Post über Prompting. Ich bin Freelancer*in im Bereich Online-Marketing und spreche mit Leuten, die ChatGPT schon nutzen, aber kaum wissen, wie sie bessere Prompts schreiben. Der Ton soll locker und motivierend sein.“

Durch mehr Kontext werden Fragen geklärt wie: Wer spricht? Für wen ist der Text? In welchem Umfeld wird er genutzt?

3. Ziel klar definieren

Nicht: „Schreib einen Text über Prompting.“

Besser: „Schreib einen Text über Prompting, damit die Leser*innen verstehen, warum gute Prompts wichtig sind, und am Ende Lust haben, direkt selbst ein paar auszuprobieren.“

Das Ziel kann sein, zu informieren, zu verkaufen, zu überzeugen, zu inspirieren oder zu vereinfachen. Am besten Sie formulieren es auch direkt, etwa: „Dein Ziel ist …“

4. Format festlegen

Die gleiche Information kann je nach Format ganz unterschiedlich ausgespielt werden. Soll das Ergebnis eine Liste, eine Tabelle, eine E-Mail oder ein Fließtext sein?

Beispiele: 

„Fass die wichtigsten Tipps zum Prompting in einer übersichtlichen Liste zusammen. Maximal 10 Punkte.“

„Schreib mir eine E-Mail, mit der ich meinen Kund*innen Prompting kurz erklären kann.“

Die K.E.R.N.E.L.-Methode: Systematik für bessere Prompts

Neben den vier Bausteinen helfen auch andere Methoden dabei, Prompts strukturiert und nachvollziehbar aufzubauen. Eine davon ist das K.E.R.N.E.L.-System. Jeder Buchstabe steht für einen zentralen Aspekt beim Prompting:

K – Keep it simple

Geben Sie klare, verständliche Anweisungen statt verschachtelter Sätze. Prompts dürfen lang sein, sollten aber gut strukturiert und auf ein Ziel ausgerichtet sein.

E – Easy to verify

Ergebnisse sollen überprüfbar sein: Geben Sie Beispiele mit, fordern Sie Varianten an, benennen Sie konkrete Kriterien.

R – Responsible results

Meiden Sie Bezüge zu aktuellen Trends, über welche die KI noch kein Wissen hat, oder geben Sie die Quellen selbst mit. 

N – Narrow scope

Ein Prompt = ein Hauptziel. Teilen Sie komplexe Aufgaben in Schritte und lassen Sie die KI diese nacheinander bearbeiten, statt alles in eine einzige Eingabe zu packen.

E – Explicit constraints

Definieren Sie klare Grenzen, etwa im Hinblick auf Länge, Tonalität sowie Stil, und benennen Sie klar, was die KI NICHT tun soll.

L – Logical structure

Achten Sie auf einen logischen Aufbau für eine gute Struktur: Kontext (Worum geht es?), Aufgabe (Was soll getan werden?), Limitierungen (Welche Regeln gelten?), Format (Wie soll das Ergebnis aussehen?).

Fazit: Prompting ist eine Fähigkeit, die man lernen kann

Prompting ist kein Hexenwerk. Vielmehr ist es die Fähigkeit, gute Fragen und klare Aufträge zu formulieren. Wenn Sie der KI eine Rolle geben, den Kontext erklären, das Ziel benennen, das gewünschte Format festlegen und dabei das K.E.R.N.E.L.-System als Checkliste nutzen, holen Sie deutlich mehr aus Tools wie ChatGPT heraus.

Am wirkungsvollsten ist es, mehrere gut strukturierte Prompts hintereinanderzuschalten, statt alles in einen einzigen Prompt zu pressen. So werden die KI-Ergebnisse meist nicht nur präziser, sondern auch nachvollziehbarer – und Mensch und KI kommen wirklich auf eine Wellenlänge.

Mehr über die Autorin

Kristina Pauncheva

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